Claas Reise - Woche 10

Die erste Woche in Griechenland im Zeltdach

 

Nach drei erholsamen Tagen bei dem traumhaften Stellplatz am Kathisma Beach hat es die letzte Nacht stark geregnet. Die Sandwege hatten tiefe Spuren und es wurden durch das Unwetter kleine Felsbrocken auf die Straße geschwemmt, welche ich vorerst beseitigen musste.

Ich bin extra früh an dem Platz aufgewachsen, da ich auf dem Weg nach oben keinem anderen Fahrzeug begeben wollte. Durch den Regen waren die Straßen noch sehr nass und rutschig, weshalb ich umso erleichterter war, als ich nach einer halben Stunde, im zweiten Gang bei 15 km/h, ein kleines Dorf auf dem Berg erreichte. Dort habe ich wieder alle Wasservorräte aufgefüllt und bin weiter Richtung Apollonini gefahren. Dort wollte ich zu einem Strand, welcher als Geheimtipp in einem Reiseführer empfohlen wurde. So geheim war es nicht mehr.

In Griechenland dürfen Strände nicht privatisiert werden, jedoch verlaufen häufig die Straßen zu einem Strand oder einer Bucht über privates Land. Somit stand ein Grieche auf der Straße kurz vor dem Strand und wollte 15€ von mir haben. Da mir das ein Strand Besuch nicht wert ist und ich davon zwei mal essen gehen könnte beschloss ich mich umzudrehen und zu dem Public Beach zu fahren.

Auf dem Weg habe ich noch frische Feigen am Straßenrand gepflügt und dann am Strand gefrühstückt. Am südlichsten Punkt der Insel steht ein Leuchtturm an den Klippen, ganz in der Nähe habe ich einen Schlafplatz gefunden und konnte zum Sonnenuntergang einen kleinen Spaziergang zum Leuchtturm machen. Da der Stellplatz nicht besonders geschützt war, beschloss ich mich nächsten mit he n weiter zu fahren und Lefkada wieder zu verlassen.

 

Ich war froh als ich die Insel verlassen habe und trotz meiner kaputten Handbremse überall sicher stehen konnte und der Defender nirgendwo an den steilen Straßen runtergerollt ist. Das Ziel im Navi war Meteora, da das allerdings über fünf Stunden fahrt entfernt war, habe ich mir die Route auf zwei Tage aufgeteilt und bin nachmittags an einer kleinen blauen Wasserquelle angekommen.

 

Bekanntschaft mit einer griechischen Oma

 

Wie so häufig hat mich Google Maps einen falschen Weg dorthin geführt. Als ich angehalten habe und nach dem Weg gucken wollte, kam eine ältere Frau schreiend auf mich zugelaufen. Im ersten Moment dachte ich dass sie mich auf Griechisch anpöbelt, weil ich vielleicht in ihren Garten gefahren sei.

Doch sie als sie näher im hörte ich, dass sie „Halt stopp, Polizei Hände hoch“ auf deutsch rief. Als sie in meiner Reichweite war, fing sie an zu lachen und mir auf deutsch erklärt wo ich lang fahren muss. Anschließend habe ich ihre Lebensgeschichte erfahren. Sie war 64 Jahre alt und hat mit 10 Jahren für vier Jahre in Deutschland gewohnt und konnte immer noch perfektes deutsch. Ich habe noch nie einen Menschen so niedlich und verschmitzt lachen gesehen wie die griechische Oma.

Die Wegbeschreibung passte und ich habe nach fünf Minuten mein Lager aufgebaut und habe abends noch den lokalen Wein einer kleinen Taverne probiert. Ein halber Liter hat 5€ gekostet und auch dazu gab es nach einer kurzen Weile Snacks, wie Tzatziki, Käse und Wurst sowie einen frittierten Halumi.

 

Weiter nach Meteora

 

Mit einem vollen Magen bin ich erschöpft in mein Bett gefallen um nächsten morgen relativ früh nach Meteora weiterzukommen.

Meteora ist bekannt für seine schwebenden Klöster. Diese beeindruckende Landschaft habe ich mir zwei Tage bei 40 Grad angeschaut und bin früh morgens in ein Kloster gegangen um mich mit der Geschichte der Stadt vertraut zu machen. Als ich jedoch morgens die Berge hochgefahren bin, hat der defender immer weniger gas angenommen und auf einmal kam ein lautes Zischen beim Gas geben aus dem Motorraum.

Während der Fahrt wurde es stetig lauter. Meine erste Vermutung war, dass der Turbolader bei 237.000km den Geist aufgeben hat. Das ist bei der Kilometerleistung nicht unüblich.

Ich habe mich also durch alle Werkstätten in der Umgebung telefoniert und alle Spezialisten waren im Urlaub oder hatten das Ersatzteil nicht auf Lager. Somit habe ich bei der nächsten Werkstatt im Dorf angerufen und die haben ihre Kontakte spielen lassen und mich in die nächst größere Stadt Larisa geschickt. Die Werkstatt wusste schon von meinem Problem.

 

Noch in Meteora haben mir die Mechaniker schon gesagt, dass die nächsten Mechaniker kein Englisch oder deutsch kommen. Nach 2h auf der Autobahn mit 50kmh bin ich gerade so in die Werkstatt gerollt. Kaum angekommen standen drei Männer um mein Auto rum, welche ohne mich zu nachten direkt die Motorhaube aufgerissen haben um nach dem Problem zu suchen. Der älteste Mechaniker hat die nächste Stunde über nichts anderes gemacht außer 200 ml ouzo zu trinken und mir Aprikosen aus seinem Garten zu schenken.

Dazu hat er noch seinen englischen Namen mit Tipex auf meinen Kotflügel geschrieben. Dort steht mein Vorname mit einer Deutschland Flagge. Jetzt hat Bill sich auch verewigt und fährt als Beifahrer in Gedanken mit.

Wie von mir vermutet war der Turbolader jedoch nicht das Problem. Sondern ein Schlauch vom AGR war gerissen.

Es wurde eine Zwischenlösung gebastelt und 50€ ärmer habe ich mit einem frischen Bruno die Werkstatt verlassen und konnte weiter zum Olymp fahren. Dort habe ich mich den nächsten Tag regeneriert und mich von dem Schock und der Anstrengung erholt.

Am nächsten Morgen bin ich vier einhalb Stunden auf dem Olymp gewandert und war sehr froh, als ich um 12 Uhr mit zitternden Oberschenkeln noch das Risotto vom Vortag essen konnte bevor ich erschöpft für einen Mittagsschlaf ins Bett gefallen bin.

Ich habe vor Ort einen leichten off-road Trail gefunden welchen ich am nächsten Tag für zwei Stunden verfolgte und anschließend eine Stunde weiter nördlich mein Nachlager am Strand aufbauen konnte.

 

Die 10. Woche als Dachzelt Nomade

 

Damit geht auch Woche zehn zu Ende in welcher ich meinen 50 Stellplatz gefunden habe und innerhalb von 70 Tagen an 50 verschieden Orten aufgewacht bin. 

 


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